Im Altenheim nichts Neues

Mein Dreißigjähriger Krieg
Fand an der Front des Altenheims
Statt
Tod, Sterben, Siechtum
Waren Alltag
Normal
Für mich
Meine Kollegen
Kolleginnen

Nicht alle konnten das
Schlachtfeld sehen
Inmitten der Gesellschaft
Oder wollten es nicht
Sehen
Bis heute
Nicht
Mit den vielen Toten
In unseren Betten
Oft nachts
Ihre Gesichter bleich
Der Mund im letzten Atemzug
Erstarrt

Ich will euch nicht vergessen
Meine Lieben
Und nun sollte eine
Lange Liste eurer Namen folgen
Aber ich erinnere
Nicht alle
Ein paar wenige
Die aber für Euch alle
Stehen
Frau H., der ich die letzte
Träne abwischte
Herr K, dessen Hand ich
Bis zuletzt hielt
Die vielen Toten, die ich fand
Andächtig an ihren
Betten stand
Ein letztes Mal
Umarmte

In diesem unsichtbaren
Krieg
Der kein Ende nimmt
Die Generäle
Und Politiker sich
Gewissenlos über die
Schlachtpläne beugen

Über bonanzamargot

Ich wollte, es wäre immer Sommer. Ich wollte, ich wäre immer verliebt. Ich wollte, ich hätte nie Sorgen. Ich wollte, ich hätte unbegrenzt Zeit, um hinter das Geheimnis des Lebens zu kommen: Die Welt um mich herum besser zu verstehen - die Menschen - die Liebe - den Tod...
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4 Antworten zu Im Altenheim nichts Neues

  1. rosemarysbaby schreibt:

    So viel Schmerz spricht aus diesen Zeilen.
    Ich kann Dich gut verstehen, denn Du hast den Schmerz zu oft gesehen.

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    • bonanzamargot schreibt:

      Ich war an der Front… Dicht beim Sterben und Tod. Ich hasse die Oberflächlichkeit der materialitisch geprägten Menschen um mich herum. Auch schon vor meiner Zeit als Altenpfleger.

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      • rosemarysbaby schreibt:

        Da sind wir dann zu zweit. Auch ich sehe es so wie Du. Und es ist so erbärmlich, was man da vor Augen bekommt. Meine Eltern waren im selben Pflegeheim – sie haben sie vom hinteren bis zu vorderen Flur getrennt! Bei Mama gab es ein geteiltes Bad – kein Handtuch, keine Seife und vollgesiffter Fußboden (Pinkelei). Trotz mehrfacher Beschwerden hatte sich nichts geändert. Aber hohe Kosten ……… die ganze Rente ist draufgegangen. Frag mich jetzt bitte nicht weiter, ich hätte meine Mutter zu mir geholt, aber das ging nicht. Papa ist in dem Elend dann eingeschlafen – zu seinem Glück mit knapp 84 Jahren. Was für eine elendige Gesellschaft!

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      • bonanzamargot schreibt:

        Ja… Und ich war 30 Jahre Teil dieses Systems.

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