Egal wie groß ein Gefängnis ist – es ist immer zu klein

Die Erde, das Sonnensystem, die Milchstrasse
sind zu klein.
Das Universum ist zu klein.
Schwarz und schwer wie die Nacht spannt sich die Decke über meinen
kugelrunden Zellenboden.
Ich reiche nicht hinauf, wenn ich springe.
Die Erde hält mich wie ein Magnet.
Die vier Wände meiner Zelle sind noch merkwürdiger.
Sie stehen nicht fest – ich trage sie mit mir wie ein geheimes Programm,
das Werden und Sterben vorgibt,
Leben und Tod.
Einfältig tapse ich herum zwischen Himmel und Erde
und fühle mich wie an die Leine genommen – von einem imaginären Gefängniswärter.
Das Halsband schnürt mir langsam die Kehle zu,
wenn ich zu sehr wegziehe.
Wie auch jetzt.
Es gibt kein Entkommen aus dieser Festung
und außerdem keinen Bericht von der Freiheit da draußen.
Alles was man hört, ist ziemlich vage,
warum es sich die meisten in dem Gefängnis einrichten, als wären sie zuhause.
Nun gut, sie kennen nichts anderes.
Wenn sie an die Festungsmauern stoßen, sind sie verblüfft und ratlos.
Das ist ein Mysterium, meinen sie,
besser man rüttelt daran nicht.
Dahinter könnte etwas Bedrohliches lauern, wovor die Mauern sie schützen.
Ich gebe mich damit nicht zufrieden.
Ich habe das Gefühl, dass irgendwo der Wurm drin ist.
Ich fühle mich veräppelt – von Geburt an, seit die Uhr läuft.
Keine Ahnung, zu wie vielen Jahren ich verdonnert wurde.
Welches Urteil führte mich ins Leben?
Lebenslänglich …
Wo war ich eigentlich vor meiner Zeugung?
Ich finde es komisch, dass die meisten meiner Mitgefangenen leben,
als wäre das Gefängnis die ganze Welt.
Mir schnürt es die Kehle zu.
Wie kann man so machen, als wäre alles ganz normal, wie es ist?
Wahrscheinlich entwickelte ich deswegen nie den Ehrgeiz
an all den Zeitvertreiben wie Beruf, Familie und Politik – ich will mir einfach nichts vormachen.
Das Universum spannt sich riesig, beinahe endlos über unsere Köpfe.
Die Sonne scheint von weit weg hinunter von einer irren Zellendecke.
Milliarden Sterne bilden dazu eine atemberaubende Kulisse.
Aber egal wie groß ein Gefängnis ist – mir ist es zu klein.
(24.06.2000)

Über bonanzamargot

Ich wollte, es wäre immer Sommer. Ich wollte, ich wäre immer verliebt. Ich wollte, ich hätte nie Sorgen. Ich wollte, ich hätte unbegrenzt Zeit, um hinter das Geheimnis des Lebens zu kommen: Die Welt um mich herum besser zu verstehen - die Menschen - die Liebe - den Tod...
Dieser Beitrag wurde unter Allgemeine Betrachtungen veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten zu Egal wie groß ein Gefängnis ist – es ist immer zu klein

  1. iwillbe schreibt:

    well…denmarks a prison…

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s