Ich scheiße mir selbst ins Hirn

bin ich dieser harmlose Kacker, als welchen
ich mich manchmal sehe?
bin ich der Loser, der wie ein Betrunkener zwischen
den Welten herumtorkelt?
sind wir Lebenskünstler – die Verlierer
dieser Welt?
sind wir die Ärsche der Nationen
und lassen uns für eine Flasche Schnaps
kaufen
zum richtigen Zeitpunkt?
bin ich dieser einsame, verlorene Mensch ohne
jede Bedeutung?
bin ich der Dichter ohne Publikum?
sind wir die Kloake, die sich dagegen sträubt
heruntergespült zu werden –
vergeblich
?
sind wir Dreck in den Augen der Machthaber,
der Politiker
nach den Wahlen?
bin ich nur ein ewiger Verweigerer ohne
eigene Perspektive?
bin ich der nörgelnde Depp, der nie
einen Blumentopf gewinnt?
suchen wir wirklich nach einem Gewissen, welches
uns schmerzt, wenn wir anderen weh tun?
wollen wir wirklich gute, edle Menschen sein?
und ich – will ich ein guter, edler
Mensch sein?
kann ich ein guter, edler Mensch sein?
stehen wir am Ende oder am Anfang?
oder war uns das immer schon egal, was aus uns
und der Welt wird
und unser Gerede war nichts wert
nicht einen Penny
?
ja, ich bin dieser harmlose Kacker
und ich bin ein Dichter ohne Publikum wie Millionen
andere
und ich torkele zwischen den Welten
ein einsamer, verlorener Mensch ohne jede Bedeutung
meine Lebensverweigerung ist
eine Farce
nein, ich kann kein guter und edler Mensch sein
niemals
niemals
auf dieser Welt
14.08.08

Über bonanzamargot

Ich wollte, es wäre immer Sommer. Ich wollte, ich wäre immer verliebt. Ich wollte, ich hätte nie Sorgen. Ich wollte, ich hätte unbegrenzt Zeit, um hinter das Geheimnis des Lebens zu kommen: Die Welt um mich herum besser zu verstehen - die Menschen - die Liebe - den Tod...
Dieser Beitrag wurde unter 2007, 2008 veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

7 Antworten zu Ich scheiße mir selbst ins Hirn

  1. weißt du was richtig SCHEISS ist lieber bon? das man in diesem scheiss anonymen netz in dem wir hier rumfuhrwerken nicht einen einzigen menschen richtig in den arm nehmen kann wenn man findet dass es notwendig und richtig wäre…
    DAS ist richtig scheisse – von allem anderen mal ganz abgesehen.

    Ich jedenfalls täte dich jetzt gern mal ganz fest in die arme nehmen.

    die alte saeckin

    Gefällt mir

  2. momoseven schreibt:

    Lieber bon Da schliesse ich mich auch an ! Fühle Dich wiegend gedrückt !
    Und hat es nicht schon was Edles und Gutes in dieser verrückten Welt leben zu müssen und darunter so zu zu leiden? Da find ich die viel weniger gut und edel, die ihr Hirn in die Bequemlichkeit zurückgezogen haben, und die Schuld bei anderen suchen.

    Gefällt mir

  3. lylo schreibt:

    natürlich möchte ich nicht blöd sein, aber solche gedanken wälzen zu müssen, das wäre mir den preis dafür nicht wert.
    gedanken und intelligenz können auch ein fluch sein.

    nachdem hier so herumgedrückt wird,
    schicke ich auch eine umärmlung

    Gefällt mir

  4. Nante schreibt:

    ja, Bonanza wir sind doch alle Hirnwichser …. in der Realität sind wir “ Dreck in den Augen der Machthaber “ …. derjenigen, die die Macht des Kapitals verkörpern und derjenigen, die in UNSEREM Namen politische Macht ausüben …
    in unseren Ichwelten dürfen wir aber Gott/Göttin sein…. Und das ist mMn – der eigentliche Hauptwiderspruch in unserer Gesellschaft.

    ein sehr be – und nachdenklicher Text …..

    Gefällt mir

  5. Nante schreibt:

    diese Widersprüche, Bonanza, sind nicht auflösbar … sie beruhen auf dem Paradoxon, mit dem jeder denkende und fühlende Mensch leben muss: Ich bin nichts ohne die Gemeinschaft – und MUSS mich ihr – um in ihr zu( über) leben – entgegenstellen … ( das ist eine sehr psychologisierende Selbsterklärung – olle Marx und seine soziologisch – ökonomischen Thesen will ich außer Acht lassen)

    NUR: der Rückzug ins Private befriedigt micht nicht … und die politische Arbeit kotzt mich an …

    wobei wir wieder bei der Lebensverweigerung wären … die wir alle so kokett im Dichtermündchen führen …

    Hi –

    Nante

    Gefällt mir

  6. Elisabetta1 schreibt:

    hi bon dein text macht betroffen und laesst sogleich das eigene ich hinterfragen. bin ich……? werde ich ….. ?
    ich denke, dass diese fragen, altersabhaengig, total differenziert beantwortet werden.
    ich bin vieles davon, was du auch fuer dich dargelegt hast – allerdings nicht einsam, kein noergler und in einem gewissen sinne doch gut. ich mag mich selbst, liebe andere menschen und versuche ihnen das auch angedeihen zu lassen.
    obwohl kein ausuebender,religioeser mensch, habe ich mir doch einen spruch zu eigen gemacht, der meine entscheidungen beeinflusst :
    gott, gib mir gelassenheit hinzunehmen, was ich nicht aendern kann.
    gib mir mut, zu aendern, was ich aendern kann
    gib mir weisheit , das eine vom anderen zu unterschieden.

    moeglich, dass in gewissen situationen ein bisschen resignation oder egoismus an die oberflaeche kommen, aber sind wir uns nicht selbst die naechsten ? duerfen wir die lust am leben, nur im zusammenhang mit aufgaben, naechstenliebe und nuetzlichkeit wahrnehmen ?
    muessen wir uns fuer alles mitverantwortlich fuehlen ?
    nehmen wir menschen uns, manchesmal auch zu wichtig ?
    ich glaube, dein umfeld ( beruf ) spielt eine ziemlich grosse rolle, dass dich derart schwermuetige gedanken begleiten.
    alles gute fuer dich.

    Gefällt mir

  7. Elisabetta1 schreibt:

    ui ui ui da bin ich aber ziemlich *daneben* gewesen, mit meinem eintrag. da steht ja *fast* nur etwas ueber mich selbst.
    mea culpa, mea maxima culpa
    *leise laechel*
    elisabetta

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s